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HIV

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Kategorie A

Erreger

Die Humanen Immundefizienz-Viren (HIV) sind lymphotrope Lentiviren aus der Familie der Retroviren. Eine infizierte Zelle ist prinzipiell während ihrer gesamten Lebenszeit in der Lage, neues Virus zu produzieren. HIV wird unterschieden in HIV-1 und HIV-2, die jeweils weiter in verschiedene Subtypen unterteilt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stellte die HIV-Infektion ursprünglich eine Zoonose dar. Die den HIV verwandte Simian Immunodeficiency Viruses (SIV) werden bei vielen Altweltaffen in Afrika gefunden. Das HIV-1 am nächsten verwandte SIV wurde in Schimpansen gefunden, HIV-1 Gruppe P in Gorillas, das HIV-2 verwandte SIV in Rußmangaben (Cercocebus atys).[1]


Vorkommen

Die AIDS-Erkrankung wurde anhand klinischer und immunologischer Cha­rak­te­ris­ti­ka 1981 als neu auftretendes Krankheitsbild unbekannter Ätiologie beschrieben. Im Jahr 1983 wurde HIV-1 erstmals aus einem Patienten isoliert. Das verwandte HIV-2 wurde 1986 aus westafrikanischen Patienten mit AIDS isoliert. Mole­ku­lar­bio­lo­gi­sche Untersuchungen und Analysen legen nahe, dass ein Spezieswechsel der beiden Viren vom Affen auf den Menschen im frühen 20. Jahrhundert statt­ge­fun­den haben muss. Eine Etablierung der Infektion in der menschlichen Population kann auf iatrogenem Weg durch intravenöse Injektionsbehandlung von Tro­pen­krank­hei­ten in den 30er bis 50er Jahren erfolgt sein. Die älteste gesichert dokumentierte HIV-1-Infektion stammt aus dem Jahr 1959 bei einem afrikanischen Patienten. Zum Zeitpunkt der Entdeckung und Erst­be­schreibung in den USA waren HIV-Infektionen bereits in Zentralafrika, in der Karibik und in bestimmten Bevölkerungsgruppen in Nordamerika und Westeuropa verbreitet. Seit seiner Entdeckung hat sich vor allem HIV-1 über die ganze Welt ausgebreitet und zu Epidemien unterschiedlichen Schweregrads geführt. Nach Schätzungen von UNAIDS und der WHO lebten Ende 2009 etwa 33,3 Millionen Menschen weltweit mit einer HIV-Infektion oder AIDS. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen wurde im Jahr 2009 auf 2,6 Millionen Menschen geschätzt. Weltweit sind etwa die Hälfte der Erwachsenen, die mit einer HIV-Infektion oder AIDS leben, Frauen. Mehr als 95% aller HIV-Infizierten leben in Ent­wick­lungs­län­dern. Bis Ende 2009 waren bereits 30 Millionen Menschen an den Folgen der HIV-Infektion verstorben. Allein im Jahr 2009 waren es 1,8 Millionen.

In Deutschland sind seit Beginn der Epidemie Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts bis Ende 2010 etwa 29.000 Menschen an den Folgen einer HIV-In­fek­tion verstorben. Die Zahl der derzeit in Deutschland mit einer HIV-Infektion le­ben­den Menschen liegt nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) bei etwa 70.000, was im europäischen Vergleich eine eher niedrige Prävalenz dar­stellt. Deutschland zählt zu den Ländern, in denen HIV-Infektionen bislang im We­sent­li­chen auf einige Bevölkerungsgruppen mit besonders hohem In­fek­tions­ri­si­ko be­schränkt geblieben sind. Bei diesen Gruppen handelt es sich um Männer mit gleich­ge­schlecht­lichen Sexualkontakten (ca. 65% der aktuell diagnostizierten Infektionen), Personen mit Herkunft aus Ländern mit hoher Verbreitung von HIV in der Allgemeinbevölkerung, den sogenannten Hochprävalenzregionen, (ca. 12%) und Personen, die Drogen intravenös konsumieren (5%). Etwa 18% der in Deutsch­land diagnostizierten HIV-In­fek­tionen werden derzeit über heterosexuelle Kontakte erworben, meist über Partner aus einer der drei genannten Haupt­be­trof­fe­nen­grup­pen. Zu den sogenannten Hochprävalenzregionen, in denen mehr als 1% der erwachsenen Bevölkerung infiziert ist, zählen derzeit alle Länder in Sub­sa­ha­ra-Afrika, große Teile der Karibik und einige Länder in Südostasien. Die HIV-Infektionen bzw. AIDS-Erkrankungen sind in Deutschland in der Bevölkerung sehr ungleich verteilt. Nach wie vor dominieren wenige Großstädte das epidemiologische Geschehen. Knapp 40% der HIV-Infektionen werden in den Großstädten Berlin, Frankfurt am Main, München, Köln, Düsseldorf und Hamburg diagnostiziert.[1]


Infektionswege

HIV wird durch Blut und andere infektiöse Körperflüssigkeiten, im Wesentlichen Sperma, Vaginalsekret und den Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut übertragen. Häufigster Übertragungsweg sind ungeschützte Sexualkontakte.

  • Die sexuelle Übertragung kann durch Kontakt virushaltiger Körperflüssigkeit mit der rektalen oder vaginalen/ zervikalen oder der Schleimhaut von Glans Penis und Vorhaut erfolgen. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung über die oralen Schleimhäute ist sehr gering (Ausnahme: Stillen bei Neugeborenen). Schleimhautläsionen sind für eine Übertragung keine Voraussetzung, können diese aber begünstigen. Lo­ka­le Faktoren wie gleichzeitig vorliegende andere sexuell übertragbare Infektionen können sowohl die Infektiosität als auch die Suszeptibilität deutlich steigern und stellen damit wichtige Kofaktoren für eine Übertragung von HIV dar.
  • Die parenterale Inokulation von Virus in Form kontaminierten Blutes oder von Blutprodukten, in Form einer gemeinsamen Verwendung von Injektionsutensilien, z.B. bei Personen mit i.v. Drogengebrauch, oder durch Schnitt- oder Stich­ver­let­zun­gen an kontaminierten Instrumenten, z.B. bei medizinischem Personal, ist ebenfalls ein wichtiger Übertragungsweg.
  • Übertragungen von der Schwangeren auf ihr Kind sind kurz vor, vor allem aber während der Geburt möglich. Nach der Geburt kann die Infektion durch Stillen übertragen werden.

Kein Infektionsrisiko stellen Körperkontakte im alltäglichen sozialen Miteinander, die gemeinsame Benutzung von Geschirr, Besteck u.ä. sowie die gemeinsame Benutzung sanitärer Einrichtungen dar. HIV wird nicht über Speichel, Trän­en­flüs­sig­keit, Tröpfcheninfektion, durch Insektenstiche oder über Nahrungsmittel oder Trinkwasser übertragen. Die Kontamination von intakter Haut mit virushaltiger (Körper-)Flüssigkeit führt ebensowenig zu einer Übertragung.[1]


Inkubationszeit

Spezifische Antikörper gegen HIV können in der Regel 2 bis 10 Wochen nach erfolgter Infektion erstmalig nachgewiesen werden. Bei fehlendem Anti­kör­per­nach­weis 12 Wochen nach einem vermuteten Infektionsrisiko kann eine Infektion mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden.[1]


klinische Symptomatik

6 Tage bis 6 Wochen, meist 2 bis 3 Wochen nach einer Infektion wird bei einem Teil der Infizierten ein akutes Mononukleose-ähnliches Krankheitsbild mit

  • Fieber
  • akuter Lymphknotenschwellung
  • diskretem Exanthem des Stammes
  • z.T. Durchfall und
  • schmerzhaften Schluckbeschwerden beobachtet.
  • In seltenen Fällen bestehen Symptome einer flüchtigen Meningoenzephalitis.
  • Das in der Regel auf 1 bis 2 Wochen limitierte akute Krankheitsbild ist häufig so schwach ausgeprägt, dass es nicht zum Arztbesuch veranlasst, oder es wird bei den differenzialdiagnostischen Überlegungen vergessen, an eine akute HIV-Infektion zu denken. Der Nachweis HIV-spezifischer Antikörper kann nach der Phase der akuten Infektion der einzige Hinweis auf eine bestehende Infektion mit HIV sein. Das symptomfreie Stadium der HIV-Infektion kann Monate bis Jahre dauern. In diesem Stadium können indolente, mehrere Regionen betreffende Lymph­kno­ten­schwel­lun­gen auftreten und über Wochen bis Monate persistieren.
  • Symptome der chronischen HIV-Infektion manifestieren sich meist als unspezifische Störungen des Allgemeinbefindens, als Veränderungen an Haut und Schleimhäuten und als gastrointestinale Beschwerden. Gelegentlich findet sich eine diskrete neurologische Symptomatik.

Die individuellen Verläufe und Krankheitsbilder sind von bemerkenswerter Vielfältigkeit. Eine deutliche klinische Symptomatik kann gefolgt sein von Phasen völliger oder weitgehender Beschwerdefreiheit. Andererseits können sich die Komplikationen, die durch einen schweren Immundefekt bedingt sind, auch aus scheinbar völliger Gesundheit akut entwickeln. Allen Patienten gemeinsam sind

  • ausgeprägte und irreversible Störungen der zellulären Immunabwehr.

Die schweren, meist lebensbedrohlichen Manifestationen dieser neuen Krankheit wurden als "Acquired Immune Deficiency Syndrom" - „AIDS“ bezeichnet.

Der schwere Immundefekt (AIDS) manifestiert sich in der überwiegenden Zahl (70%) der bis dahin unerkannten bzw. nicht antiretroviral behandelten Fälle in Form lebensbedrohlicher opportunistischer Infektionen. Die bedeutsamsten sind

  • die Pneumonien
  • Ösophagitiden
  • zerebrale Abszesse
  • Zytomegalievirus-Infektionen mit unter­schied­li­cher Lokalisation (Auge, Lunge, Hirn, Darm)

Eine weitere bedeutende AIDS-definierende Erkrankung ist die aktive Tuber­ku­lose. Diese ist i.e.S. keine opportunistische Infektion, da ein Erregernachweis von Mycobacterium tuberculosis auch bei immunkompetenten Personen bedeutet, dass eine aktive Tuberkulose vorliegt. In knapp 15% der Fälle führt eine maligne Neubildung zur AIDS-Diagnose. Am häufigsten sind bei nicht antiretroviral Behandelten Kaposi-Sarkome, die nicht wie die klassische Form nur kutan auftreten, sondern häufig auch den Gastro­intes­tinal­trakt, das lymphoretikuläre System und die Lungen befallen, sowie B-Zell-Lymphome.[1]


Ansteckungsfähigkeit

Jeder Infizierte ist lebenslang potenziell ansteckungsfähig. Die An­ste­ckungs­fä­hig­keit ist in den ersten Wochen nach der Infektion besonders hoch. Da­nach sinkt die Infektiosität in der Regel und nimmt bei fortgeschrittenem Immun­de­fekt und dem Auftreten klinischer Symptome wieder zu. Grundsätzlich kor­re­liert die Ansteckungsfähigkeit mit der Höhe der Viruslast im Blut und anderen Körpersekreten. Durch eine erfolgreiche antiretrovirale Therapie, die die Viruslast im Plasma unter die Nachweisgrenze der verfügbaren Testverfahren reduziert, wird daher auch die Ansteckungsfähigkeit deutlich reduziert. Lokale und systemische Faktoren (z.B. Infektionen der genitalen Schleimhäute, inter­mit­tie­ren­de Infekte, unzureichende Penetration einzelner Medikamente in das geni­tale oder rektale Kompartiment) können jedoch zu – meist vorübergehenden – Anstiegen der Viruslast im Blut oder im genitalen oder rektalen Kompartiment führen. Insbesondere Patienten, die nicht in einer monogamen Partnerschaft leben, sollte daher auch unter erfolgreicher Therapie die Beibehaltung von Vor­sichts­maß­nah­men zur Vermeidung einer Weitergabe der HIV-Infektion (v.a. Kon­dom­ge­brauch) und zum Schutz vor anderen sexuell übertragenen Infektionen empfohlen werden. Auf der Grundlage – unkontrollierter – Be­ob­ach­tungs­stu­dien wird das Risiko einer HIV-Übertragung auf sexuellem Wege in einer sero­dif­fe­ren­ten Partnerschaft bei effektiv behandelter HIV-Infektion (Viruslast seit min­des­tens 6 Monaten unterhalb der Nachweisgrenze) und in Abwesenheit weiterer sexuell übertragbarer Infektionen als vergleichbar gering wie bei Kondom­ver­wen­dung ohne antiretrovirale Therapie eingeschätzt.

Eine „Superinfektion“ mit einer unterschiedlichen Virusvariante bei bereits be­ste­hen­der HIV-Infektion ist grundsätzlich möglich und kann u.a. zum Erwerb von Medi­ka­men­ten­re­sis­ten­zen und zu einem beschleunigten Krankheitsverlauf beitragen. Voraussetzung für eine Superinfektion ist in der Regel, dass keiner der beiden infizierten Partner effektiv antiretroviral behandelt wird. Bisher berichtete Fälle beschreiben überwiegend Patienten mit relativ geringen Viruslasten vor dem Zeitpunkt der Superinfektion. Unklar ist, ob eine geringe Viruslast eine Super­in­fek­tion begünstigt oder nur der mit ihr einhergehende Viruslastanstieg die Diag­no­se­stel­lung erleichtert. Eine starke Immunantwort gegen HIV scheint aber nicht prognostisch günstig zur Vermeidung einer Superinfektion zu sein.[1]


Maßmahmen

Angesichts des Fehlens einer kurativen Behandlung und eines vor der Infektion schützenden Impfstoffes bleibt die wirksamste Maßnahme zur Begrenzung der HIV-Epidemie die Verhütung von Neuinfektionen. Daher muss der/die Nicht­infi­zierte die Infektionsrisiken kennen, um sie vermeiden oder sich entsprechend schützen zu können. Auch bereits HIV-infizierte Personen müssen informiert werden, wie sie sich verhalten müssen, um die Weitergabe der Infektion zu verhindern und dieses Wissen problemgerecht umzusetzen.


PSA

  • Schutzhandschuhe[2]

Desinfektion


Quellen

Kategorie A

zuletzt bearbeitet von Falte am 19.04.2021

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