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Pest

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Kategorie C1 (Beulenpest)


Kategorie C2 (Lungenpest)

Erreger

Die Pest wird durch das Stäbchenbakterium Yersinia (Y.) pestis ausgelöst.[1]


Vorkommen

Y. pestis ist für mindestens drei Pandemien – im 6., 13.-15. und 19. Jahrhundert – verantwortlich, die weit über 100 Millionen Todesopfer zur Folge hatten. Diese urbane, mit Ratten und dem Rattenfloh assoziierte Pest ist mittlerweile selten. Zwischen 2010 und 2015 wurden weltweit über die Weltgesundheitsorganisation (WHO) insgesamt 3.248 Fälle (alle Pestformen) berichtet, darunter 584 Todesfälle. In den letzten Jahrzehnten wurden Fälle vor allem in Madagaskar beobachtet, wo jährlich mehrere Hundert Fälle auftreten, aber u.a. auch aus China, der Demokratischen Republik Kongo, Indien, Malawi, Mosambik, Peru, Simbabwe, Tansania, Vietnam, Uganda und den USA wurden Fälle gemeldet. Ausbrüche beschränken sich auf Gegenden der Tropen und Subtropen. Zu den wenigen Ausnahmen gehören vereinzelte Pestfälle im ländlichen Westen der USA, wo der Erreger bei wildlebenden Nagetieren vorkommt. In den USA wurden zwischen 1970 und 2010 insgesamt 437 Fälle von Pest erfasst, ca. 10% der Fälle erkrankten an einer sekundären Lungenpest. Nach Deutschland wurden in den vergangenen Jahrzehnten keine Pestfälle importiert.[1]


Infektionswege

Y. pestis ist hoch infektiös und kann auf vielen Wegen übertragen werden. Prinzipiell werden Übertragungen nach inhalativer, perkutaner und intravenöser Exposition beschrieben. Für eine orale Übertragung gibt es keine gesicherten Hinweise. Der klassische Infektionsweg für die Beulen­pest ist der oben beschriebene Über­tragungs­weg durch Tiere (z.B. Ratten, sonstige Nagetiere) bzw. Vektoren (Flöhe) auf Menschen. Aber auch die direkte Übertragung von Tieren auf den Menschen über infizierte tierische Sekrete wurde beschrieben, z.B. nach Kontakt mit toten Wildtieren. Die Übertragung von Y. pestis von Mensch zu Mensch ist z.B. durch Kontakt mit Körper­flüssig­keiten (z.B. durch Eiter) möglich. Daneben ist besonders für die Lungen­pest auch der Über­tra­gungs­weg über Tröpfchen sehr relevant: Diese Über­tragung erfolgt im Rahmen von Ausbrüchen in der Regel von Mensch zu Mensch, ist aber auch von infizierten Tieren auf Menschen möglich. Beo­bach­tungen haben gezeigt, dass bei einer primären Lungenpest das Über­tragungs­risiko bereits im Frühstadium der Erkrankung hoch sein kann, also schon bei leichten Symp­tomen wie z.B. beginnen­dem Husten. Sekundärfälle nach Kontakt mit (noch) asympto­matischen Infizierten wurden allerdings bislang nicht beschrieben.[1]


Inkubationszeit

Die Inkubationszeit der Pest wird allgemein mit ca. 1-7 Tagen angegeben. Sie ist bei der Beulenpest mit 2-7 Tagen etwas länger als bei der primären Lungen­pest, die i. d. R. nach 1-3 Tagen eintritt. In seltenen Fällen können erste Symptome schon nach wenigen Stunden auftreten.[1]


klinische Symptomatik

Beulenpest

Die Beulenpest, die ca. 80-95 % aller weltweit verzeichneten Pestfälle ausmacht, ist durch einen plötzlichen Symptombeginn mit Allgemeinsymptomen wie

  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Fieber
  • Schüttelfrost und
  • Bewusstseinsstörungen

gekennzeichnet. Typisch sind druckschmerzhafte Schwellungen von Lymphknoten am Körperstamm, meist in der Leistenregion (Bubonen), die unter Freisetzung eines infektiösen eitrigen Sekretes platzen können. Distal der Bubonen kann ggf. ein Flohbiss erkennbar sein. Die Letalität liegt unbehandelt bei 40-60 %, behandelt bei 10-15 %.

primäre Lungenpest

Die primäre Lungenpest verläuft fulminant. Typische Symptome sind plötzlicher Krankheitsbeginn mit

  • erhöhter Temperatur bzw. Fieber
  • Schüttelfrost
  • Kopfschmerzen
  • schnell zunehmende Tachypnoe
  • Dyspnoe
  • Hypoxie
  • Brustschmerzen
  • Husten
  • Hämoptysen
  • Tachykardie

Das Sputum ist häufig eitrig, kann aber auch wässrig, schaumig und blutig tingiert oder blutig sein. Insbesondere bei blutigem Sputum muss von einer hohen Erregerdichte ausgegangen werden. Die unbehandelte primäre Lungenpest verläuft zu nahezu 100 % tödlich, bei frühzeitigem Therapiebeginn ist die Prognose allerdings deutlich günstiger.

sekundäre Lungenpest

Die sekundäre Lungenpest ist die Komplikation einer zunächst außerhalb der Lunge lokalisierten Infektion mit Y. pestis. Die für Lungenpest typischen Symptome treten bei der sekundären Lungenpest erst 5-6 Tage nach der Primärerkrankung auf. Der Tod tritt unbehandelt häufig nach weiteren 3-4 Tagen ein.

Als seltene Komplikationen von Beulen- und Lungenpest werden auch Pestmeningitis und Pestsepsis beschrieben.[1]


Ansteckungsfähigkeit

Die Lungenpest ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Eine Übertragung durch infizierte Personen, die noch keine Symptome entwickelt haben, ist nicht dokumentiert. Unbehandelte Personen sind ansteckungsfähig, solange sie symptomatisch sind. 72 Stunden nach Beginn einer klinisch wirksamen Therapie ist nicht mehr von einer Ansteckungsfähigkeit auszugehen. Der Leichnam eines an Pest Verstorbenen kann bis zu 2 Monaten kontagiös sein.[1]


Maßmahmen

Die Lungenpest erfordert eine strikte Isolierung der Erkrankten, die möglichst in spezialisierten Behandlungszentren mit einem hohen hygienischen Sicherheitsstandard erfolgt. Bereits bei Verdacht auf Pest, der sich aus Symptomatik und Expositions­risiko während der Inkubationszeit ergibt, müssen konsequent Schutzmaß­nahmen angewendet werden: Schutzkleidung, Schutzhandschuhe, Augen- und Gesichtsschutz, Atemschutz mittels FFP3-Maske und Fußschutz. Die genaue Zusammensetzung der Schutzkleidung kann dem ABAS-Beschluss 610 [2] entnommen werden. Aufgrund der hohen Letalität und Kontagiosität der Erkrankung wird empfohlen, bereits den begründeten Verdachtsfall auf Lungenpest in eine Sonderisolierstation [3] zu verlegen. Jeder Verdachtsfall von Pest muss unverzüglich durch den Arzt an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden (§ 6 IfSG). Das zuständige Gesundheitsamt vermittelt den Kontakt zu Behandlungs- und Kompetenzzentren und Laboren und entscheidet in Abhängigkeit von den spezifischen Gegebenheiten und den geltenden Vorgaben der Bundesländer über die Maßnahmen. In Absprache mit dem Gesundheitsamt ist eine stationäre Verlegung in ein Behandlungszentrum in Abhängigkeit von örtlichen Gegebenheiten innerhalb von ca. 4-5 Stunden möglich. Bis zur Entscheidung über eine Verlegung in ein Behandlungszentrum muss der Patient in der erstaufnehmenden Einrichtung in einem Einzelzimmer/Isolierzimmer mit Vorraum (Schleusenfunktion) isoliert und das Personal entsprechend geschützt werden. Bei Kontamination mit Y.-pestis-haltigem Material muss durch Desinfektion vor Ort eine Kontaminations­verschleppung soweit wie möglich verhindert werden. Während die weitere Behandlung der Beulenpest oder Pestsepsis theoretisch in einem Isolierzimmer erfolgen kann, sollten Lungenpest-Patienten auf Sonderisolierstationen behandelt werden, insbesondere dann, wenn die Krankheit durch Infektion mit resistenten Erregern oder die Entwicklung einer Pestsepsis kompliziert verläuft. Der Beginn der antibiotischen Therapie einer Lungenpest darf durch Isolationsmaßnahmen sowie die Organisation und Durchführung des Transportes nicht verzögert werden.

Ein Transport von Patienten mit Lungenpest Verdacht muss in Brandenburg, über die Leitstelle mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden und erfolgt ausschließlich im RTW-I des Landes Brandenburg in ein STAKOB-Zentrum.

Postexpositionsprophylaxe (PEP)

Antibiotika wie Ciprofloxacin, Doxycyclin oder Sulfamethoxazol/Trimethoprim sind zur Postex­po­sitions­prophylaxe geeignet. Die individuelle Risikoabwägung der Indikation und Kontrain­dikationen sind im Einzelfall durch das zuständige Gesundheitsamt und den behandelnden Arzt zu klären. Eine Beratung durch die STAKOB-Zentren vor Anwendung wird dringend empfohlen. Die Dauer der Antibiotika­gabe beträgt 7 Tage.[1]


PSA

das RKI empfiehlt

  • Schutzkleidung
  • Schutzhandschuhe
  • Augen- und Gesichtsschutz
  • Atemschutz mittels FFP3-Maske
  • Fußschutz[1]

Desinfektion

Beulenpest

Lungenpest

  • Desinfektion entsprechend Gesundheitsamt[4]

Quellen

Kategorie C1 (Beulenpest)


Kategorie C2 (Lungenpest)

zuletzt bearbeitet von Falte

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